Bericht zum vergangenen Treffen

21. April 2018 in Neuwied

Pünktlich zu unserem Treffen-Termin hatte “Straßen NRW” die Baustellen-Saison eröffnet. Wer sich allerdings von Staus nicht abhalten ließ, konnte wieder mal eine Auswahl hervorragender Stücke in Augenschein nehmen.

Zunächst erläuterte unser Sekretär, dass der Datenschutz verschärft wird, was Auswirkungen selbst auf unseren Club hat. Obwohl diese neuerlichen Auswüchse der Bürokratie nur Kopfschütteln verursachten, werden zukünftig die Clubmitglieder um Einverständniserklärungen gebeten und auch auf unsere Webseite sind ab sofort entsprechende Hinweise zum Datenschutz enthalten.

Dann ging es an den angenehmen Teil des Nachmittags. Zunächst lagen fünf Klingen aus, die nach den Regeln des Kantei betrachtet und danach diskutiert wurden:

Unser Sekretär leitete die Diskussion und die Erkenntnisse in die richtige Richtung. Der erste Wakizashi war ungewöhnlich lang und gerade mit einem o-gunome hamon mit eckigen Elementen. Hier war das doch typische boshi der entscheidende Faktor um auf Mishina zu kommen. Später konnte man noch die Blütengravur (edagiku) auf der Angel betrachten, wie sie die 2. Generation fabrizierte, jedoch ist die Klinge dem Shodai zugeschrieben.

Bei der Masahiro-Naginata dürfte wohl jeder ein “Atari” gehabt haben - wenn man sie einmal gesehen hat, erkennt man sie sofort wieder.

Die dritte Klinge war ebenfalls sehr gerade in suguha mit auffälligen kinsuji. Auch hier war es erneut das boshi um auf Hizen zu schließen. Wie bekannt sein dürfte, war die erste Generation Tadahiro der Nidai Tadayoshi der Hauptlinie - der aber eben stets mit Tadahiro signierte.

Das auffällige hada des folgenden Wakizashi bereitete vielen Kopfzerbrechen, da das Stück den Eindruck einer Koto-Klinge erweckte. Trotz des leichten Materialverlustes kann man aber die Form in Shinto verordnen. Der dunkle Stahl gab Hinweis auf die Herkunft - in diesem Fall Echizen - so dass man auf die Yasutsugu-Schule kommen kann. Die Signatur “Higo Daijo Sadakuni” ist übrigens die Jugendsignatur von Shodai Yasutsugu.

Zum Schluss gab es einen kleinen Dolch, der in seiner dicken, kurzen Form den typischen Yoroidoshi repräsentiert. Ein sehr dichter Stahl und das ubu-ba (Fehlschärfe am Beginn der Schneide) gab den Hinweis auf ein Shin-Shinto-zeitliches Exponat. Ein dichtes ji-nie und ein suguha mit unzähligen hataraki stellte weitere Attraktionen dieses “Winzlings” dar. Signiert ist er mit “Hisataka saku” und datiert auf 1818.

In der Diskussion wurde herausgestellt, dass man Koto- und Shinto-Klingen hinsichtlich der Qualitäten kaum vergleichen kann, da erstere stärker mit Zufälligkeiten während der Produktion spielten, letztere einem bestimmten Konzept bzw. einer Planung unterlagen, wobei dies nicht zuletzt als Reaktion auf veränderte Absatzmärkte zurückzuführen war.

Des Weiteren wurde das Kopieren von Klingen thematisiert, was jedoch als Ausdruck japanischen Kunsthandwerks zu verstehen ist. Der Kopie haftet somit keineswegs der Nimbus des “schnöden Plagiats” an, sondern zeigte im Gegenteil die Fähigkeiten des Herstellers und muss entsprechend gewürdigt werden.

Nach diesem anstrengenden Teil konnte man sich bei der Betrachtung von ausgelegten Tsuba und Schwertschmuck erholen. Ein Sammler zeigte u. a. einige sog. Kishu-Teimei-Tsuba, also Tsuba, die in der Teimei-Periode in der Provinz Kii gefertigt wurden. Man weiß über diese Schule wenig, deren Begründer ein Schüler des ersten Hoan-Meisters gewesen sein soll und dem zwei weitere Generationen folgten. Tsuba sind fast ausschließlich mit “Kishu ju Teimei Sadanaga” signiert und bieten ein modernisiertes Owari-Design, welches speziell später sehr exakt geschnitten wurde. Diese ji-sukashi-Arbeiten zeichnen sich durch ein klares, meist abstraktes Design aus. Die Schule war sehr produktiv und weil sie weniger im Fokus der Sammler steht, kann man Stücke (noch) sehr günstig erwerben.

montur
Zwei Kishu Teimei Tsuba mit abstrakten Formen

Es folgten im zweiten Durchgang:

Die erste Klinge war sehr gerade und zeigte einen prächtigen, gleichmäßigen toran-hamon, so dass man gleich Osaka Shinto oder Revival-Künstler des Shin-Shinto spezifizieren konnte. Hier teilten sich entsprechend die Meinungen. Der Hinweis, dass knapp unter dem boshi ein gunome sich tobiyaki-artig schließt, ergab das Erkennungsmerkmal von Terukane (Nidai Kanesada).

Die folgende Klinge war mit deutlichem masame und suguha schnell der Hosho-Schule zugeordnet.

Das lange kissaki der dritten Klinge ließ ad hoc an Nambokucho denken, doch zeigte sie fumbari, so dass eine Kürzung ausgeschlossen werden kann und Shinto als frühster Zeitpunkt festzumachen ist. Der dunkle Stahl grenzt die Alternativen ein und es handelt sich erneut um eine Klinge aus Echizen. Da sie mumei ist, generalisiert die Zuschreibung auf Echizen Shimoska.

Das nächste daito ließ bereits schon am hohen shinogi Yamato-Ursprünge ableiten. Der midare mit teils gleichmäßigen ko-gunome, viele kinsuji und sunagashi und das boshi mit hakkikake stützen die Annahme. Das NBTHK-Papier schreibt die Klinge Yamato Shikkake zu, das Sayagaki von Tanobe sensei erkennt auf Senjuin. Auch wenn die Experten sich uneins sind - ein fantastisches Stück.

Der letzte Dolch von kraftiger Statur präsentierte neben vielen hataraki ein prominentes ayasugi-hada. Dieses hada wurde zwar auch in Koto von Naminohira und Ko-Gassan gefertigt, aber in ganz anderer Ästhetik. Somit liegt ein spätes Stück vor, was durch ein ubu-ba bestätigt werden kann. Folgerichtig kommt eigentlich nur um ein Gassan-Schmied in Frage und tatsächlich entpuppte sich der Tanto als ein Gassan Sadakatsu von 1939.

Der an tollen Anschauungsstücken reiche Nachmittag endete wieder mit dem gemeinsamen Abendessen.

Wie üblich vielen Dank an alle, die Klingen, Tsuba und Kodogu zur Verfügung gestellt hatten.





* Die mit Sternchen gekennzeichneten Klingen sind in unseren Publikationen abgebildet und beschrieben.


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