Bericht zum vergangenen Treffen

20. Januar 2018 in Neuwied

Trotz teils dichtem Schneetreibens fanden unsre Clubmitglieder den Weg nach Neuwied. Pünktlich ging es mit Erörterungen aktueller Themen los. Dabei kündigte Joachim an, endgültig von seinem Posten als Sekretär zurücktreten zu wollen, den er seit zehn Jahren ausfüllt. Organisation der Räumlichkeit, Transport, Auf- und Abbau von Auslagetisch und Beleuchtung, Beschaffung von Klingen, Networking, Kontaktaufnahme mit Interessenten, buchhalterische Aufgaben - alles keine Selbstverständlichkeiten, weshalb an dieser Stelle für seine unermüdliche, zuverlässige Tätigkeit Dank gesagt werden soll. Andreas wird nun den Staffelstab, den Joachim weitergibt, übernehmen.

Das heutige Thema war Kantei, also das formale Bestimmen von Schwertklingen. Andreas betonte die Wichtigkeit des Kantei, da dabei das Auge geschult und das Wissen intensiviert wird, weil man gezielter auf wichtige Details achten muss. Er stellte nochmals die grundsätzliche Vorgehensweise dar: Formbestimmung, Betrachtung des hamon, Begutachtung von nie bzw. nioi, dem hada und schließlich evtl. auftretender hataraki. Die Beurteilung des sori wird grundsätzlich entlang der Klingenrückseite vorgenommen, da die Schneidseite im Laufe der Zeit Veränderungen erfahren haben könnte. Auch in der Unterscheidung zwischen iori-mune und mitsu-mune sieht er aus demselben Grund Vorsicht geboten.

Die Angel wird erst zum Schluss, nachdem man sich ein Urteil gebildet hat, begutachtet. Häufig finden sich zwar auch hier für die Bestimmung wichtige Details, aber das sollte nur zur Bestätigung dienen.

Die ausgelegten Klingen der ersten Runde waren zufälligerweise alle in hira-zukuri:

Dunkler Stahl, ungleichmäßiges nie und Yamato-Einschlag waren bei der ersten Klinge die entscheidenenden Details, bei der zweiten, neben dem dichten itame-nagare hada sowie dem langen kaeri mit muneyaki, vor allem die horimono.
Beide Klingen wiesen schultypische Angeln auf, wie sich im Nachhinein zeigte.

Der dritte Wakizashi zeigte Tendenz zu saki-sori (eigentlich ein Muromachi-zeitliches Merkmal!), ein feines itame mit deutlichem nagare Anteil, der hamon im unteren Teil mit gunome-midare, im oberen Teil hoso-suguha mit ko-gunome und vielen Aktivitäten.

Der letzte Tanto (s. Bild rechts unten) wies ein eindrucksvolles itame-hada mit masame auf sowie einem gunome-midare-hamon, der sich nach oben in hitatsura entwickelt. Die Option auf ähnliche Soshu-Klingen kann ausgeklammert werden, weil diese weder muneyaki noch masake aufweisen und zudem dicker sind. Häufig findet man bei Hasebe wegen des angesetzten Schneidestahls offene Stellen, bei diesem Dolch ist jedoch die fehlerfreie Stahlbehandlung ein zusätzliches Highlight.

Andreas hatte ein Formblatt mitgebracht, wo man die gesehenen Merkmale eigentlich nur ankreuzen brauchte, aber auch das stellte sich als nicht so einfach heraus, da man häufig vor Entscheidungsschwierigkeiten in der Beurteilung des Details stand. Und daraus dann noch die Schule abzuleiten, war immer noch kein Selbstläufer.
Andreas hingegen konnte aufgrund seines Fachwissens anhand der vorliegenden Fakten jede Klinge bestimmen. Das Formblatt auf DIN A4 diente ihm u.a. dabei als einfache Hilfe zur Einordnung der Länge (noch Tanto oder schon Wakizashi), da das Blatt bekanntlich 29,7 cm hoch ist.

montur

In der zweiten Runde gab es außer Konkurrenz ein Tachi in itomaki-Montur (s. Bild oben) sowie:

Erstere Klinge zeigt das schultypische zanguri hada, einen hamon in o-notare mit gunome-midare und weist ein saidan-mei sowie eine Widmung auf.

Aus der Mishina-Schule stammt die zweite Klinge, die sich in choji-gunome mit brilliantem nie, Kyo-yakidashi und dem typischen Mishina-boshi präsentiert. Sie wird zwar durch den NBTHK dem Shodai zugeschrieben, aber anstelle des Kikumon ist die Blütengravur (edagiku) der 2. Generation oberhalb der Signatur zu sehen. Somit dürfte es sich tatsächlich um eine dai-mei-Arbeit des Nidai handeln.

Auch hier erläuterte Andreas wie man von den einzelnen Details auf die Schulen schließen konnte.

Es war also wieder mal ein lehrreicher und interessanter Nachmittag, der mit dem gemeinsamen Abendessen endete.

Wie üblich vielen Dank an alle, die Klingen zur Verfügung gestellt hatten und besonders an Andreas, dessen Ausführungen unser Wissen wieder erweitert haben.





* Die mit Sternchen gekennzeichneten Klingen sind in unseren Publikationen abgebildet und beschrieben.


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