Bericht zum vergangenen Treffen

1. April 2017 in Neuwied

Trotz des Datums war unser diesmaliges Treffen keineswegs ein Aprilscherz, wenn sich auch in gewohnter Umgebung gut gelaunte Mitglieder und Gäste einfanden. Bei diesem Treffen war kein historisch, technisch oder ästhetisch bedingtes Thema gewählt worden, stattdessen konnten unsere Mitglieder Klingen zeigen, die entweder neu erworben waren oder zu ihren persönlichen Favoriten zählten.

Zum Auftakt gab es wie üblich Angebote aus Mitgliederkreisen u. a. ein Awataguchi Tadatsuna mit einer Kyo-Gunto-Marine-Montierung. Am Nebentisch wurden orientalische Blankwaffen aus der Sammlung Alwin Hoppens angeboten. Aufgrund der teils ähnlichen Stahlbehandlung ein interessanter Vergleich zu den japanischen Klingen.

Ein Gast legte zur Begutachtung eine Hizen-Klinge vor, die allerdings schon etwas mitgenommen aussah. Konnte man den Hamon noch leicht erkennen, war das hada nur noch unter dem Habaki zu erahnen, da die Oberfläche unfachmännisch bearbeitete worden war. Hinsichtlich der Authentizität des Stückes bestanden weniger Zweifel (wenngleich noch die Signatur gezielt abgeglichen werden muss), so dass vielleicht zukünftig das Stück im polierten Zustand wieder mal den Weg zu uns findet.

Zum eigentlichen Thema lagen erwartungsgemäß Klingen querbeet durch alle Epochen und Stile auf dem Tisch. Erfreulicherweise war die Qualität fast durchgehend hoch. Dieser “Kessel Buntes” wartete mit einer Reihe von Schmankerln auf, teils alten Bekannten, die man gerne wieder sieht, und eben neuen Klingen, die unseren Club-Bestand bereichern.

Zunächst gab es folgende Klingen zu sehen:

Die Anwesenden sollten zunächst die Klingen nach Kantei-Manier identifizieren, was zumindest bei der bekannten Top-Naginata von Masahiro zu einem “Atari”-Erfolgserlebnis geführt haben dürfte. Aber auch der Tametsugu sollte nicht allzuschwer zu identifizieren gewesen sein, da er die typischen Merkmale mit “wildem” hamon und hada zeigt. Die erste Suketaka-Klinge wies Osaka-Shinto-Typika auf, die in ihrer Qualität und Ausführung an Sukehiro oder Sukenao erinnerte. Hier sah man, wie auch ein Shin-Shinto-Schmied absolute Spitzenqualität erzeugen konnte. Das Vergleichsstück desselben Schmiedes wies wiederum eine andere Interpretation von toran auf, da drei einzelne Wellen über die Länge des Dolches verteilt waren.

Im zweiten Durchgang lagen aus:

Der erste Tanto ließ sofort an Etchu Norishige denken und die Angel zeigte Reste einer entsprechenden Rotlack-Signatur, jedoch erkannte die NBTHK nur auf einen Schüler, in diesem Fall Kashu Sanekage, an. Spielraum für Interpretation...
Das unsignierte Katana wurde zunächst dahingehend diskutiert, ob es sich um ein Koto- oder Shinto-zeitliches Objekt handelt. Da man sich aber selbst darüber uneinig war, ob die Klinge ubu oder suriage sei, hieß es mal wieder: "Needs further study".
Der Dewa Daijo Kunimichi brillierte mit einem außergewöhnlichen hada, welches mit langen chikei durchzogen ist. Das reichhaltige ji-nie hatte den Effekt, als sei die Klinge vereist oder bestäubt.
Eindrucksvoll waren auch der Tsuda Sukenao mit seinem fantastischen toran-hamon und der nicht weniger attraktive Kunimasa mit seinem rauh wirkendem hada.

Wilfried konnte in seiner Erläuterung mit dem Sammlertraum aufwarten, für relativ wenig Geld eine Klinge erstanden zu haben, die dann nach Politur (4 Jahre Wartezeit!) und Vorlage bei der NBTHK als Tokubetsu Hozon reüssierte.
Auch Dieter würzte seine Ausführungen mit Anekdoten und sehr viel Erhellendem zu seinen Klingen.
Bei Florian geriet das Thema hingegen fast schon zur Lebensbeichte, als er über Lieblingsstücke sinnierte und feststellte, dass diese nicht unbedingt die Besten sein müssen, da der Favorit sich an rein subjektiver Affinität orientiert. Bei aller Schwärmerei sollte dann aber immer Objektivität hinsichtlich der qualitativen Einschätzung gewahrt werden.

Abgerundet wurde das Treffen durch zwei Kantei Klingen:

Deren Besprechung bzw. Diskussion ging fließend in das fakultativen Abendessen über, mit dem das Treffen ausklang.

Abschließend gilt der Dank allen Mitgliedern und Gästen, die Anschauungsmaterial zur Verfügung gestellt hatten.





* Die mit Sternchen gekennzeichneten Klingen sind in unseren Publikationen abgebildet und beschrieben.


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