Nachlese zum Treffen

05. Juni 2021 in Neuwied

treffen

Nach längerer Zeit fand wieder ein Club-Treffen statt. Es war zwar - weil es sich durch die Umstände erst kurzfristig ergab - ein mit der “heißen Nadel” gestricktes Treffen, es fanden sich aber doch eine Reihe unserer Mitglieder in Neuwied ein. Trotz des üblichen corona-bedingten Prozedere verlief die Zusammenkunft streckenweise sehr lebhaft, da offenbar durch Wiedersehensfreude und Entzugserscheinungen jeder zeitgleich etwas zu erzählen hatte.

Das Thema war wie angekündigt die Hasebe-Schule und Joachim referierte über diese Schmiede.

Als Anschauungsmaterial gab es zu sehen:

Ruslan hingegen referierte über Kodogu und zeigte einige hochwertige Menuki und Kozuka.

Wir hoffen, dass zum Oktober-Treffen weitestgehend wieder Normalität eintreten dürfte, deshalb schon mal den Termin vormerken!

auslage1

koshirae

menuki

auslage2

* Die mit Sternchen gekennzeichneten Klingen sind in unseren Publikationen abgebildet und beschrieben.



Bericht vom Treffen am 12. Juni 2020

Wenige Wochen vorher war es noch zweifelhaft, ob das Treffen wegen Corona überhaupt stattfinden würde, doch durch die schrittweisen Lockerungen und unter Einhaltung der bekannten Vorsichtsmaßnahmen konnten wir dann doch einladen. Der Saal war mit denen, die sich angemeldet hatten, gut gefüllt, aber es blieb Platz genug für alle Teilnehmer sowie vier Gäste. Trotzdem war es ein gewöhnungsbedürftiges Bild, wie die maskierten Anwesenden sich nur mit Abstand umeinander bewegten. Jedoch konnte am Sitzplatz die Maske abgelegt werden.

Als Thema kam der Suguha, ein linearer Hamon, aufs Tapet. Es heißt, dass es sich laut gängiger Theorie beim suguha um die schärfste, stabilste Form des hamon handeln soll. Da diese Hamon-Typ in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen nicht an Schulen und Zeiten gebunden war, konnte man quer Beet eine Kollektion unterschiedlicher Klingen aller Epochen erwarten.

Zunächst wurden einige Interna besprochen: U.a. wird zukünftig auf das Verschicken von Einladungen verzichtet werden. Wir weisen also ausdrücklich darauf hin, dass die Angaben auf der Webseite zu den Terminen als automatische Einladung gilt, zumal der Versammlungsort immer der gleiche ist.

Danach stellten sich die Gäste, die zu unserem Treffen gekommen waren, kurz vor und es ging gleich damit los, in der ersten Runde deren mitgebrachte Klingen zu begutachten. Es wurde übrigens diesmal jeweils eine Klinge auf drei kleineren, mit Abstand aufgestellte Tischen ausgelegt und auf die übliche Schlange zum Anstehen verzichtet.

Zunächst gab es ein auf Sue-Tegai zertifiziertes Wakizashi, dessen suguha diverse togari zeigten, die eher an Mino erinnerten. Zeitlich kann man die Klinge in die Mitte der Muromachi-Zeit einordnen, etwa Bunmei 1469-1487. Die dazugehörige Lackscheide war äußerst originell als Bambus gestaltet.
Es folgte ein Daito, ebenfalls montiert, welches zwar unsigniert, aber auf Noshu no Seki Kanetsune zugeschrieben war, wohl eine der späteren Generationen gegen Ende der Muromachi-Zeit.
Eine weitere Klinge stammte ebenfalls vom Ende dieser Epoche, ein Wakizashi der mit Uda Kunimune signiert und mit einer Dedikation versehen war.

Den zweiten Durchgang eröffnete ein Daito von Jitsu’a, dem Vater von O-Sa. Das hada begeisterte durch deutliches itame, nagare-masame und sogar etwa ayasugi-hada, der sugu-ha in nie-deki zeigte viele Aktivitäten.
Danach gab es ein weiteres Daito, welches auf Yamato Hosho zugeschrieben war und typisches masame hada aufwies. Die Aktivitäten im suguha waren entsprechend der Stahlstruktur in die horizontale gehend wie sungashi und kinsuji.
Es folgte ein Sunnobi-Tanto (oder Ko-Wakizashi), der auf Shikkake Norinaga zugeschrieben war und in die Eisho-Periode (1504-1521) verordnet werden kann. Der suguha war in nioi-deki angelegt. Das itame-hada mit masame gemischt war durch Ölreste leider etwas schwierig zu erkennen, was belegt, wie wichtig sauber geputzte Klingen beim Betrachten sind. Einige Clubmitglieder halten das Einölen, wie es für das eher feuchte Klima Japans angebracht ist, in unseren Breiten für nicht notwendig, nicht zuletzt, da durch das wiederholte Entölen mit uchiko die Klingenoberfläche Kratzer bekommen kann.

Die dritte Runde begann mit einem Daito der mittleren Kamakura-Periode, erneut ein Yamato Hosho* mit nie-deki suguha mit vielen Yamato-typischen hataraki und masame hada. Auffällig war ein nie utsuri, welches das ji in eine hellere und dunklere Hälfte teilte. Ein durch hakkike sehr lebendiges boshi schloß nach oben ab.
Daneben lag ein Enju zugeschriebenes Daito, welches im Unterschied zu der vorherigen Klinge deutlich breiter und dicker war, weil es die Formgebung der späten Kamakura-Zeit repräsentierte. Obwohl die Enju-Schule angeblich auch masame im hada aufweisen soll, war hier nur ein feines ko-itame-hada auszumachen.
Dies ließ sich auch von der dritten Klinge, ebenfalls Enju*, sagen. Gleichfalls in der Formgebung der späten Kamakura-Periode zeigte sie im Unterschied zur zweiten etwas mehr Tapering, d.h. sie verjüngte sich zum Kissaki hin deutlicher.

Mit der vierten Runde ging es in die Shinto-Zeit, zunächst mit einem kräftigen Tanto von Higo Daijo Sadakuni mit itame hada und horimono (bo-hi bzw. goma-hashi und tsume).
Daneben gab es einen Wakizashi von Sendai Kunikane geschmiedet um 1650. Die Sendai-Schule ist für ihr masama-hada im Stile Yamato-Hosho bekannt, hier war aber masame nur in itame hada eingestreut.
Den Abschluss bildete ein imposantes Katana von Hizen Shodai Tadayoshi, ein Spitzenstück wie aus dem Lehrbuch mit typischem Hizen-hada, suguha mit einigen Aktivitäten und einer 5-Zeichen-Signatur. Das dazugehörige Koshirae zeigte die Myoga-mon des Nabeshima-Clans, in dessen Diensten Tadayoshi stand.

Ein wegen der Umstände denkwürdiges Treffen fand seinen Ausklang im Abendessen, welches mit entsprechendem Abstand zueinander verspeist werden konnte.


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