Zum Tod von Michael Hagenbusch

von Florian Brands

Michael Hagenbusch kommt der Verdienst zu, einer derjenigen gewesen zu sein, die das japanische Kunstschwert in Europa aus einem Nischendasein gehoben haben. Er war langjähriger Vorsitzender der NBTHK-EB und hatte stets die Wichtigkeit betont, dass die NBTHK es 1979 ermöglichte, einen Europäischen Zweig zu gründen. Damit “adelte” das japanische Mutterhaus die ernsthaften Bemühungen der Europäer um das Nihonto.

1984 war er Mitorganisator und Leihgeber für die Ausstellung zum japanischen Kunstschwert in Solingen. Mag das Qualitätsniveau der der damaligen Exponate nicht einheitlich gewesen sein, so wurde seinerzeit für ein breites Publikum eine Tür aufgestossen und der Katalog war damals eines der wenigen Referenzbücher überhaupt, zu denen man hierzulande Zugang hatte. Die Abhandlung, die Herr Hagenbusch dazu verfasste, hat dabei immer noch Gültigkeit.
18 Jahre später konnte eine weitere Ausstellung in Solingen zeigen, wie sich Wissen und Qualitätsanspruch zwischenzeitlich gesteigert hatten - alle Exponate waren mindestens mit Juyo-Status zertifiziert. Erneut als Organisator und Leihgeber tätig: Michael Hagenbusch.

Doch nicht nur in Museen waren Stücke seiner umfangreichen Sammlung zu sehen. Bei Treffen der NBTHK und beim Nihonto Club, dessen Mitglied er ebenfalls war, zeigte Herr Hagenbusch gerne, was er zu den jeweiligen Themen beisteuern konnte.

Seine Kenntnisse belegten, wie intensiv er sich über Jahrzehnte mit dem Nihonto beschäftigt hatte. Um sein Wissen und seine Erfahrungen zu steigern, war er bei japanischen Schwert-Shows ebenso zu finden wie bei amerikanischen oder europäischen Treffen. Sein Engagement für das japanische Kunstschwert war außergewöhnlich.

Gerne nahm er sich die Zeit, ausführlich über Klingen zu referieren, in der Regel aus dem Stehgreif. Besonders bleibt sein fast schon "spitzbübischer" Gesichtsausdruck in Erinnerung, wenn er beim Kantei die Zettel mit den Geboten entgegennahm. Er sah es wohl als persönliche Herausforderung an, jedes Gebot einzuordnen und darlegen zu können, warum der genannte Schmied zur Kantei-Klinge passte oder eben nicht.
Nur selten hat man ihn ratlos gesehen, etwa als man ihm vor einigen Jahren eine kawari-deki-Klinge von Dewa Daijo Kunimichi vorlegte. Auch für ihn gab es also immer noch etwas zu lernen.

Herr Hagenbusch war einer der wenigen in der westlichen Welt, der vom Nihonto WIRKLICH Ahnung hatte. Seine Kenntnisse sind nun verloren, sein Rat wird uns fehlen. Aber sein Vorbild bleibt unser Ansporn, immer weiter zu forschen, viel zu sehen und nach Wissen zu streben.

Dafür gebührt ihm unsere Anerkennung und unser Dank.


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